Regional, bio, fair oder saisonal? Die Region Stuttgart ist seit diesem Jahr Fairtrade-Region. Wie geht es weiter und wie können Kommunen und kirchliche Einrichtungen nachhaltiger wirtschaften?

„Regional – bio – fair – saisonal. Zielkonflikte und Handlungsperspektiven auf dem Weg zu einer fairen und nachhaltigen Region Stuttgart“ war das Thema der diesjährigen Veranstaltung aus der Reihe „Ethik in der Region“, die am 12. Juni 2023 im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart stattfand. Kooperationspartner war der Verband Region Stuttgart.

Wie können die Kriterien Regional,  Bio, Fair und Saisonal beim Lebensmittelkonsum bestmöglich vereinbart werden? Und was können Kommunen tun, damit in ihren Einrichtungen nach diesen Kriterien gewirtschaftet wird?

Dr. Alexander Lahl, Regionaldirektor des Verbands Region Stuttgart, freute sich über die Zertifizierung zur Fairtrade-Region, die der Verband Region Stuttgart Anfang 2023 erhalten hat, verwies aber auch darauf, dass dieses Siegel zu vermehrten Anstrengungen hin zu nachhaltigen Wirtschaften verpflichte.


Pfarrer Frithjof Rittberger, Mitglied des Oberkirchenrats der Evangelischen Landeskirche Württemberg und Streiter für eine nachhaltige Mehrwertsteuerreform, erläuterte die wahren Kosten von Lebensmitteln. Berücksichtigte man alle Umweltkosten, die die Herstellung eines Produkts verursacht, so müssten viele Lebensmittel mindestens des Doppelte des Ladenpreises kosten. Bei Fleisch sei diese Differenz am größten, aber immer noch groß sei sie auch bei Milchprodukten und selbst bei Obst und Gemüse.

Prof. Antonio Andrioli, Professor für Agrarökologie aus Brasilien, brachte die globale Perspektive ins Spiel. In seiner Heimat seien Pestizide zugelassen, die in der EU schon lange verboten wären. Als Rückstände kämen sie in den exportierten Lebensmitteln auch zu uns. Vor Ort würde viel Soja und Fleisch produziert, das aber exportiert würde, so dass die eigene Bevölkerung hungert. Dieses System müsse durchbrochen werden, indem Artenvielfalt erhalten würde, sozial geeignete  Technologie generiert und mit den Bauern vor Ort geteilt werden müsse.

Stefanie Clauß, Referentin für Landschaftsplanung im Verband Region Stuttgart, stellte die Region Stuttgart und ihre landwirtschaftlichen Charakteristika vor. Insbesondere das Filderkraut sei identitätsstiftend und die entsprechenden Felder landschaftsbestimmend.

Im Anschluss an diese Eingangsimpulse berichteten Expertinnen und Experten auf dem Podium aus ihren Tätigkeitsfeldern. Dr. Reinhold John, Leiter der Diözesanstelle Schöpfung und Umwelt des Erzbistums Freiburg stellte die Initiative „fair.nah.logisch“ vor, die seit 2016 kirchliche Einrichtungen dabei unterstützt, ihre Einkäufe nach öko-fairen Kriterien auszurichten. Iris Degen berät mit ihrem Unternehmen „Ressourcenwunder“ Kommunen bei der Umstellung auf nachhaltige Beschaffung. Die Bereitschaft zu dieser Umstellung sei groß, aber es gebe auch noch viel Beratungsbedarf zu nachhaltigen Beschaffungskriterien.

Zwei weitere Expertinnen auf dem Podium berichteten aus der Praxis. Saskia Rudnau, Geschäftsführerin mehrere Weltläden, darunter des Weltladens an der Planie in Stuttgart, betonte, dass die Weltläden eine Erfolgsgeschichte seien. In Deutschland gebe es rund 900 Weltläden, das Konzept sei bewährt, und wer im dort einkaufe, müsse keine schwierige Wahl zwischen verschiedenen Produkten treffen, denn es sei ohnehin alles fair und bio.

Johanna Nocke, Geschäftsführerin von Wandel.Handel in Stuttgart-Ost, stellte das Konzept dieses seit drei Jahren existierenden Projekts vor. Es handle sich um eine genossenschaftlich organisierte Verbraucher-Initiative mit Unverpackt-Laden, Café, Bildungsplattform und Ort für Nachbarschaftsbegegnungen, die vor allem von den Genossenschaftsmitgliedern getragen wird.

„Regional – bio – fair – saisonal. Zielkonflikte und Handlungsperspektiven auf dem Weg zu einer fairen und nachhaltigen Region Stuttgart“ fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ethik in der Region“ statt. Rund 40 Regionalrätinnen und Regionalräte, Vertreter/innen der Verwaltung des Verbands Region Stuttgart, sowie Repräsentant/innen aus den Kommunen der Region, aus den beiden Kirchen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.